Achtung, ich bin umgezogen...

Dienstag, 30.09.2014

Hallo ihr Lieben,

da meine eigene Domain frei ist und ich es geschafft habe WordPress in den Griff zu bekommen schreibe ich meinen Blog fortan auf http://hanna-green.de und freue mich, wenn ihr mir dort weiterhin die Treue haltet.

Liebe Grüße aus Birmingham,

Eure Hanna

Strahlende Sonne... Tag 6

Freitag, 26.09.2014

Wetter: sonnig. Wer zur Hölle sagt in England würde es immer regnen? Ich bin nun seit sechs Tagen hier und hatte gefühlt mehr Sonnenstunden als in Heidelberg im ganzen August. Heute Morgen von der Sonne geweckt, beschloss ich mal wieder zur Uni zu laufen. Ich glaube, das sollte ich beibehalten, die Bewegung tut mir gut und das Viertel ist wirklich schön.Ich bilde mir sogar ein mittlerweile meine zwei Basis-Routen gefunden zu haben. (Je nach dem, ob ich zum East- oder West-Gate muss.) Heute Morgen führte mich mein Weg ans weltbekannte Barber Institute of Fine Arts, wo ich ein Solo-Performance-Meeting hatte. Da die leitende Tutorin, Amy, mich wieder weg schickte (weil ich ja dann doch eher zum 2nd-Year-Meeting am Montag kommen sollte) bin ich in der Zeit mal eben schnell bei der Guild of Students vorbei, um mich bezüglich diverser musikalisch-dramatisch aktiver Societies zu informieren. Zurück im Hörsaal des Barber Institutes höre ich mir den Rest des Vortrages an, ehe es zur Uni-Bahnhaltestelle geht, um ins City Centre ans Birmingham Conservatoire zu fahren, wo ich den vierzigprozentigen Percussion-Teil meiner Solo-Practise Stunden bekommen werde. Für die anderen 60 % Kommt ein Gesangsdozent vom Conservatoire eigens an die Uni.

Da ich ein Return-Ticket zur Uni habe erledige ich nach dem Meeting im Cons noch ein paar Kleinigkeiten in der Stadt. Ich lasse mir Passfotos ausdrucken und werde von ausnahmslos jedem Mitarbeiter, der mit dem Drucken meiner läppischen vier Passfotos betraut ist, darüber belehrt, dass meine Passfotos - meine 1a biometrischen Verbrecher-Passbilder, entstanden unter einem Heidelberger Hochbett, vom deutschen Staat akzeptiert und auf meinen Perso gedruckt - dass selbige Passfotos leider nicht verwertbar seien, da sie das Gesicht zu groß zeigen. WHAT?! Ich bestehe dennoch auf den Ausdruck meiner vier Bildchen und warte dafür geschlagene 20 min. Mit meinen Druckerzeugnissen begebe ich mich zurück zur New Street, wo ich eine Rail Card beantrage. (Für dieses Utensil hab ich die Passfotos überhaupt erst gebraucht.) Meine Empfehlung an alle, die ins Ausland gehen: Nehmt euch eigene Passfotos mit. (Ja, ich weiß auch ich habe diesen Tipp bekommen, hab's dann aber schlichtweg vergessen.)

Wieder auf dem Campus überlege ich kurz, ob ich im Bramall vorbei laufen soll, um nach einem freien Practise-Room zu suchen, doch dann fällt mir ein, dass ich ohnehin nicht an die Pauken komme und ich gehe im Learning Centre vorbei. Nein, nicht zum lernen, sondern um mir einen Kaffee zu holen, der leider eher wie extrem gut geschäumtes Spülwasser schmeckt. (Auch wenn ich das nur ungern zugebe, aber er ist besser verträglich als Letztgenanntes. Ich hab da vergleichbare Erfahrungswerte.) Wir lernen daraus: in Zukunft kaufen wir den Kaffee wieder bei Starbucks und Co. (Oder lassen das dem Kreislauf zuliebe einfach sein mit dem Kaffeetrinken.)

Ich laufe auch den Weg von der Uni nach Hause und erledige bei dieser Gelegenheit gleich noch die Einkäufe für die nächsten Tage. Wenn es etwas in diesem Haus nicht hat, dann sind es Kellogg's. Daheim angekommen schnappe ich mir meinen Mac und beginne an einem kleinen Filmchen rumzubasteln. Weil es mir im übrigen Haus zu kalt ist, tu ich dies in der Küche und drehe den Ofen auf, bis es schön warm ist. Den Rest des Abends verbringe ich mit meinen beiden Housemates (von mir mittlerweile liebevoll "Housies" genannt, wenn sie's nicht hören) am Küchentisch. Mein Englisch ist heute leider unterirdisch schlecht und ich denke zu viel nach, anstatt einfach drauf loszuquatschen, wie in den Tagen bis Mittwoch schon. Mein erstes Wochenende hier kann kommen.

"Nicht mein Tag!" Take 1... Tag 5

Donnerstag, 25.09.2014

Heute war nicht mein Tag! So gar nicht. Erst meint ein Bussfahrer, er müsste uns stehen lassen, dann sagt uns ein anderer, dass er uns auch mitnehmen kann, setzt uns dann aber am falschen  Bahnhof ab. Also abmarsch zu Fuß durch das City Centre Birminghams. Nach kurzem Verlaufen also doch den New Street Bahnhof gefunden. Dort schnell ein Ticket gekauft mich von Em verabschiedet und dann ab auf den Campus zu meinem Termin für die Modulwahl, den ich natürlich um 20 min verpasst habe. Als ich ins Büro gerufen werde und meinen Zettel vorlege kommt nur "Ja, das können Sie gleich vergessen." Strich durch. Bumm. In astreinem Deutsch, im Übrigen. Die zuständige Koordinatorin ist nämlich Deutsche. Verdammt. Also kein Stage Management für mich. Schade eigentlich, ich hätt's gut brauchen können. Kleiner Trost: Außer mir haben alle anderen ERASMUS-Leute auch eine Absage für sämtliche Drama-Kurse bekommen. Ich drücke immer noch die Daumen, dass es in /Lufbra/ besser ausgeht. *crossingmyfingersforEm*

Die folgende Kontoeröffnung dauerte über eine Stunde. Vielleicht wären die Englischen Bankmitarbeiter schneller, wenn sie weniger Smalltalk betreiben würden. Ich für meinen Teil antwortete jedenfalls sehr spartanisch. Generell finde ich es immer noch befremdlich, dass jeder Hinz und Kunz mich nach meinem Tag fragt. Aber ich weiß, dass es eben hier so Sitte ist, und deshalb bedanke ich mich auch immer schön brav beim Bussfahrer fürs Mitnehmen und wünsche ihm einen schönen Tag.

Da mit mir nichts anzufangen ist, ich keine Lust habe nach Hause zu laufen und zu geizig bin vier Pfund für ein Busticket, das mich einen Tag lang durch Birmingham bringt auszugeben, setze ich mich ins Music Building in einen Practise Room und mache Fingerübungen am Klavier, weil der Percussionraum belegt ist. (Ja, ich habe meine Stöcke mitgenommen und sie auch gleich für morgen dort gelassen.) Die Zeit danach verbringe ich in der großen Einganshalle der Univerwaltung, in der in gedämpfter Lautstärke Il Divo läuft. Um 16:20 Uhr mache ich mich auf den Weg nach draußen auf den Chancelor's Court, wo zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr im Zelt das "Icebreaker Event" für uns Internationals stattfindet. Lust dazu hab ich keine, aber der Deal mit mir selbst ist: Hingehen und das Beste daraus machen. Und genau so mache ich es auch. Dabei lerne ich neben unglaublich vielen anderen Deutschen doch tatsächlich auch drei Franzosen (einen aus Strasbourg, einen aus Lyon und einen aus dem Südwesten Frankreichs) und einen Chinesen kennen. Wir haben ein Flaggenpuzzel zu lösen, spielen "Birmingham Bingo" und die, die es als erstes zu vervollkommnen schaffen bekommen kleine Preise. Das Essen ist lecker und frei. Ich esse, wie so oft, wenn's schmeckt, zu viel und beschließe nach Hause zu laufen, um mir nicht einzubilden ich würde fett. (Das prophezeien mir hier alle und auch in Heidelberg gibt es Erfahrungswerte in diese Richtung, die an mich herangetragen wurden.)

Ich beschließe meine Schlagzeugstocktasche im Instrumentenlager einzuschließen und komme dabei an einem leeren Practise Room vorbei. Also... ich rein, Kopfhörer auf und all die schlechte Laune rausschmettern! Es stimmt eben doch: "Singing heals your Soul." Nach anderthalb Stunden, vier verschiedenen Opernarien, einer kleinen Putzsession an jeder und mindestens einem vergraulten Nachbarn bin ich gegen halb acht quasi alleine im Institut. Auch die Türen sind bereits zu und ich nehme den Fluchtweg um zu flüchten. Da kein Alarm losgeht und es auch sonst schon sehr zu dunkeln beginnt mache ich mich unverzüglich auf den ca. fünfundvierzigminütigen Heimweg zu Fuß durch minimalsten, allerfeinsten Nieselregen. Wo ich hin muss, weiß ich nur so grob, finde den Weg aber auf Anhieb, nachdem ich auf halbem Weg zur Bushaltestelle merke, dass ich gerade falsch laufe und umdrehe. Zuhause angekommen gibt es nur noch eins: BETT! Ich werfe mich auf Selbiges, schmeiß den Laptop an, mache zuhause eine kurze Berichterstattung via Skype und schreibe meinen Blog für heute. Gerade vibriert mein Handy mit einer Nachricht von Em: "Schlaf gut :*". Danke! Genau das werde ich jetzt tun.

They're taking the Hobbits to Isengard... Tag 4

Mittwoch, 24.09.2014

Heute gibts zwecks Zeitmangels nicht sonderlich viel zu lesen… Heute leichter Regen, danach sonnig. Ich sag nur so viel: Die Infoveranstaltung war informativ, den Termin von gestern hab ich auf morgen verlegen können und Ich hab auch einen super netten “Music-Papa”, ein Student aus dem dritten Jahr, der sich um mich kümmert. Der Pizza Hut ist nicht wirklich bei mir ums Eck (genaugenommen ca. 2 km) und ich hab die Practise-Rooms mal von Innen gesehen UND: Em kam mich besuchen.

Soundtrack des Tages (oder wohl wahrscheinlich des ganzen Monats):

http://www.youtube.com/watch?v=uE-1RPDqJAY

Ich so: “Dein Kulli ist aber sehr puschelig”
Em so: ” War das jetzt abgesicht?”

WARNUNG: Ständiges Englischsprechen beeinflusst Ihre Deutschkenntnisse und verursacht Wortfindungsstörungen!

Too much Information vs. Hinter Gittern... Tag 3

Mittwoch, 24.09.2014

Heute wurde ich von einer Flut an Informationen und Eindrücken überrollt, die ihresgleichen sucht. Zunächst hatte ich heute Morgen versucht meine ausstehende Modulbestätigung im Drama Department der Uni zu bekommen. Leider war ich dort an der falschen Stelle und musste wieder zurück auf den Campus. Dort begab ich mich zur Bank meiner Wahl, um mir einen der begehrten Kontoeröffnungstermine zu ergattern. Von da aus ging es weiter in die Music Office, wo ich mein "Fresher's Pack" mit allen Infos für Erstis erhielt und auch gleich noch als Percussionistin für das spontane Konzert am Sonntag eingetragen wurde. Auf dem Plan steht Sain-Saens. Gefolgt von einem spontanen Chor-Konzert mit "Handel's" 8ich glaube, daran werde ich mich nie gewöhnen) Messiah Es folgte eine kleine aber durchaus lustige Begehung durch das Bramal Music Building, im ersten OG trug ich mich für die zentralen Vorspiel- und -singtermine ein und bekam als kleines Dankeschön von der Music Society das, was Musiker immer brauchen, aber irgendwie doch nie griffbereit haben, nämlich einen Bleistift. Im Keller verliebte ich mich sofort in die 5(!) Tonstudios und generell und überhaupt hab ich meine Freischaltungsberechtigung an so ziemlich jeden Kartenschlitz in diesem Gebäude getestet. Als ich gerade beim testen an einem Seminarraum war kamen zwei (ich nehme an) Dozenten vorbei und die Dame sagte mir, dass ich da nicht hinein wolle, es sei denn, ich sei Percussionist. Glücklicherweise bin ich genau das und hatte somit den Raum gefunden, den ich gesucht hatte, nämlich den Percussion Practiseroom. Dummerweise ist meine Karte für genau diesen noch nicht freigeschaltet und so muss ich das ganze morgen noch einmal testen... hätte ja ohnehin keine Stöcke dabei gehabt.

Mein nächster Weg führte mich zu Ulrikes Büro, um mich für eine Office Hour einzutragen und dann bei ihr mein Drama-Modul zu- oder absagen zu lassen. Nächster freier Termin: 18:50 Uhr: MEINS!

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Nach einem Besuch in der Birmingham'schen Music Library (in der ich mich sofort heimisch fühlte, weil da eine MGG steht und ich ein Buch von Silke Leopold aus dem Regal zog, leider ins Englische übersetzt) beschloss ich zur Guild of Students zu gehen, um zu sehen, was dort so los war, da ich unglaublich viel Zeit totzuschlagen hatte. Ich hoffte auf eine gute Info bzgl. diverser musikalisch aktiver Societies wie zum Beispiel der "Gilbert and Sullivan" (Opern-Society) oder der Musical-Theatre-Society, aber auch eine Acapella-Society soll die Uni haben. Gefunden habe ich ein heilloses Chaos von ortsansässigen Unternehmen, die die armen Studenten mit Givaways, Verträgen und einer Menge Infos zuschütteten. Unter anderem gab es lauwarme Pizza für 1 Pfund. Ein guter Grund zuzuschlagen. Gut war sie nicht aber "einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul"... ich war nach zwei Stücken satt und beschloss nach Hause zu fahren. Die Pizza nahm ich mit, da ich bekanntlich ein großer Fan von kalter Pizza bin und das Abendessen auf diese Weise schon gesichert war. Gegen 15:10 Uhr war ich dann völlig erschlagen wieder zuhause und beschloss erst einmal schlafen zu gehen. Da die kleine Enkelin meiner Vermieterin sicher gerade schlief machte ich mich nicht akustisch bemerkbar, um die süße Maus nicht zu wecken. Großer Fehler! Als ich um halb sechs aus dem Haus wollte, um rechtzeitig zu meiner Office Hour an der Uni zu sein war ich plötzlich diejenige, die eingeschlossen war. Verdammt...
Aber anstatt mich aufzuregen schrieb ich Ulrike eine Email, in der Hoffnung, sie würde sie vorher lesen (was natürlich vollkommen utopisch war) und ließ mir ein Bad ein. Selbst, wenn mich eine meiner Mitbewohnerinnen aus meinem sehr romantischen und bequemen Gefängnis aussperren würde, wäre Hopfen und Malz verloren noch rechtzeitig an die Uni zu kommen. Also konnte ich auch getrost in der Wanne umher treiben. Ich blockierte ja für niemanden das Bad. Den Rest der Zeit, bis jemand Heim kam, verbrachte ich auf der Couch und am alten Klavier im Wohnzimmer, welches leider wirklich mal den Klavierbauer nötig hätte. Gibt schlimmeres... zum Beispiel ausgesperrt bei Schnee, Eis oder Hagel. Gegen dreiviertel Acht hörte ich einen Schlüssel im Schloss. Zu meinem Erstaunen war es nicht meine Vermieterin, sonder meine andere Mitbewohnerin, die nach Hause kam und wir verquatschten uns den Abend lang in der Küche. Zu guter letzt hab ich dann nochmal den Laptop ausgegraben und mit einer Stunde Verspätung meine Mutter zuhause in Deutschland angeskypt.

Some Things Are Meant To Be... Tag 2

Montag, 22.09.2014

Der Titel eines Liedes, das ich vor über zwei Jahren bei einer Show gesungen habe geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Den ganzen Tag passieren um mich rum Dinge, die ich nicht verstehe aber heute hat mir das Schicksal einen kleinen Streich gespielt.

Den Morgen verbrachte ich im Bett, das Wochenende hatte seine Spuren hinterlassen. Dann begab ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle, die ich leider nicht erreichte, weil ich eine Straße zu früh abgebogen bin. Dann beschloss ich mithilfe des Stadtplans in meiner Tasche den Weg zur Uni zu Fuß zu meistern, was mich an unglaublich schönen Häusern und großartigen Villen vorbei führte. Im Schnitt waren die alle so zwischen 1 und 3 Millönchen wert, schätze ich. (Aber darin bin ich nicht gut.) Unglücklicherweise liegt die Uni außerhalb meines Stadtplans und ich musste mal wieder meinen Orientierungssinn auf die Probe stellen. Dieser funktionierte heute deutlich besser und ich fand mit kleinen Umwegen, aber immer noch rechtzeitig, zum Campus. Dort begab ich mich zu meinem Welcome Event, bei dem uns unsere Modulwahlzettel ausgeteilt und viele Worte über wichtige und unwichtige Dinge des alltäglichen Studentenlebens verloren wurden.
Ein Blick auf meinen Modulwahlzettel enttäuschte mich. Von sechs gewählten Modulen waren zwei fix bestätigt, zwei offen und zwei gestrichen. Soweit war ich im August in Heidelberg schon. Von meiner alternativen Modulwahl keine Spur. Schade... Aber immerhin besteht für die zwei noch offenen ein Hoffnungsschimmer.

Da die UoB nicht über einen Online-Dienst wie mein gewohntes LSF, in dem man sich seinen Stundenplan bauen kann, verfügt muss man hier in den Unterschiedlichen Departments vorbei, um in die Listen zu schauen. (Also auch alles beim alten, denn in HD baut man sich den Stundenplan im MuWi ja auch sobald die Liste hängt.) Leider habe ich im gesamten Bramal Music Building kein schwarzes Brett finden können und die Tür eines Überaumes, an die ich geklopft hatte, blieb verschlossen. Also latschte ich in ein Büro, in dem um 17:39 Uhr doch tatsächlich noch jemand am arbeiten war. Paul, wie sich rausstellte. Ich fragte ihn also ob es einen Aushang zum Zusammenbasteln seines Stundenplanes gäbe und er entgegnete mir enttäuschtem Gesicht, dass das noch nicht der Fall wäre. Als ich mich bedankt hatte und gerade gehen wollte fragte er mich "are you Hanna, by any chance?" und ich musste innerlich lachen. Hier bin ich nicht eine Erasmus-Studentin. Hier bin ich offensichtlich die Erasmus-Studentin. Paul erzählte mir, dass er gerade dabei war mir eine Email zu schreiben, aber noch nicht angefangen hatte. (Ausnahme: Hanna und perfektes Timing... das gibt's fast nie) Er erklärte mir, dass nun nur noch eines meiner Module Probleme machen würde, und zwar LI Studio Composition (also der Vertiefungskurs). Den hatten sie mir gestrichen, weil aus meinem Transkript hervorging, dass ich nichts vergleichbares an der Uni HD belegt hatte. Er bat mir kurzerhand den Grundkurs an und hat mich dafür auch gleich eingeschrieben, ohne lange zu fragen. Meinen Stundenplan hat mir der Gute auch gleich noch gebastelt und die ein oder andere Frage  beantwortet. Muss ich morgen nur noch beim Drama Department zu Kreuze kriechen, dass ich in den Stage Management Kurs komme, denn der ist immer noch nicht zu- oder abgesagt. Den Heimweg per Petes habe ich dann sogar ohne Karte auf Anhieb gefunden.

Daheim angekommen erklärte meine Vermieterin mir, dass ich sie eingeschossen hatte und wir wissen jetzt, dass man Security Locks auch nicht von innen aufschließen kann. Abgeschlossen ist abgeschlossen. Wir verquatschten uns in der Küche, bis meine zweite Mitbewohnerin heim kam. Wir beschlossen coole Wochenend-Trips nach Oxford und London und kamen darüber auf das Thema Film. Und wieder bestätigte sich mir: Was sein soll wird geschehen und die Leute, die du treffen sollst, die triffst du auch.

Tag 1! Wenn einer eine Reise tut...

Sonntag, 21.09.2014

"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben"sagt ein altbekanntes deutsches Sprichwort. An Erlsbnissen und Erfahrungen mangelt es mir momentan nicht. Die letzten 48 Stunden waren durchaus von achterbahnähnlichen Gefühlsschwankungen, körperlichem Wohl- und Unwohlbefinden und einer Menge Komplikationen geprägt. Angefanen von misslungenen Daten-Sicherungen über gesperrte Autobahnauffahrten und spontanen Krämpfen bis hin zu einem verspäteten Flug "weil wir quasi in einer Sackgasse aus Baustellen stehen und nicht weggepusht werden können". Das Unwort des Wochenendes ist wohl "Verspätung". Meine allgemeine Unpünktlichkeit ist ja allseits bekannt und war auch schon einkalkuliert. "Um vier fahren wir los zum Flughafen", lautete die Ansage. Allen war von vorn herein klar, dass da locker 4:15 Uhr draus werden würde, weshalb wir meine Oma auch erst auf 4:15 bestellten. Noch dazu kam ein durchaus aufgeregter Vater, dem ich endlich mal Schlaf gönnen wollte. Deshalb haben wir es auch fast pünktlich CT geschafft los zu kommen.
Nach einer unangekündigt gesperrten Südtangente und einem daraus resultierenden Umweg von ca. 10 km, einem Zwischenstopp mit lustigen Begegnungen in Heidelberg kamen wir in Frankfurt im Parkhaus an und eine kleine Odyssee nahm ihren Lauf... Einmal quasi quer durch den Terminal 1. Gepäckaufgabe (für mich erstmals am Automaten), spontanes Treffen bekannter Gesichter und ein paar kleine Überraschungen für mich folgten. Kurz nach sieben gingen wir Richtung Sicherheitskontrolle und dann wurde es ernst. Ich hab in meinem Leben auch noch nie so lange für eine Sicherheitskontrolle gebraucht. Erst haben sie mich gefilzt bis auf die Socken und danach musste ich sowohl Laptoptasche als auch meinen kleinen Handgepäck-Koffer öffnen. Jedes der Gepäckstücke wurde einmal durchsucht, die drei Exterenen Festplatten noch je gesondert geröntgt und meine Handgepäcksapotheke zerpflückt. Der Typ hinter mir fing an rumzudrängeln und ging damit sichtlich allen Beteiligten auf die Nerven.

Im Flugzeug dann die Überraschung. Ich sitz gerade so da und chill vor mich hin, kommt eine alte Bekannte vorbei und fliegt quasi an mich heran. Flugangst. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Ich wurde kribbelig und in meinem Kopf blitzten Bilder einer abstürzenden Maschine auf. Ich atmete tief ein und verbannte diese Bilder von meinem inneren Auge. Mit ca. 35 min Verspätung traten wir unseren Flug FRA - BHX an. Ich sah auch schon meinen Zug ohne mich fahren, was dann trotz schneller Gepäckausgabe auch gerade so knapp der Fall war. (1. Ich hatte nicht den blassesten Dunst wo ich hin musste. 2. War die Zeit zu knapp zum suchen) Ich wartete 30 min und nahm einen anderen Zug. diese Zeit nutze ich zu einem etwas anderen Frühstück! (An dieser Stelle HERZlichen Dank nach Heidelberg)

Mein Frühstück! :D


Meine Devise lautet: "Bist du mal in New Street, kommst du auch nach Hause". (Und nach New Street kommt man wirklich immer... irgendwie.) Naja... ich habe auch in New Street meinen Bus verpasst und dann hat mich doch glatt die Lust verlassen weiter zu warten. Dies hatte eine abenteuerliche Taxifahrt zur Folge. Himmel... LINKSVERKEHR, schrecklicher Hauruck-Fahrstil, stickige Luft und anfälliger Magen. Eine sehr schlechte Kombi. Ich hab mir das ein oder andere Mal überlegt, ob ich nicht aussteigen soll, bevor jener Kamikazetaxifahrer sein Taxi auf meine Kosten putzen lässt. Aber auch hier hilft eine generell zu empfehlende Erste-Hilfe-Maßnahme, nämlich Atmen! Tief und konzentriert. Jedenfalls war ich froh, als ich das Auto meiner Vermieterin in der Einfahrt erkannte und diese Fahrt somit ein trockenes Ende nahm.

Im Haus angekommen verstauten wir mein Gepäck in meinem an eine etwas geräumigere Abstellkammer erinnernden Zimmer und ich bekam eine Hausführung. Zu meiner großen Freude entdeckte ich im Wohnzimmer ein schönes schwarzes Klavier. Welch eine angenehme Überraschung. Wir unterhielten uns eine ganze Weile erst drinnen, dann draußen. Ja, draußen! Richtig gelesen. In unserem schönen Garten. Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, es würde in England nur regnen irrt! Meiner momentanen Erfahrung nach scheint in England den ganzen Tag die Sonne.

Bei diesem herrlichen Wetter muss man natürlich raus! Also ich hoch in mein Zimmer, mich umgezogen und nix wie ab per Petes in die Innenstadt laufen. Mein eigentliches Ziel war der UoB-Campus, aber den hab ich nicht gefunden. Statt dessen bin ich eine Weile durch die Innenstadt geirrt und bin jedem Theater-Schild nachgelaufen, das ich finden konnte. Irgendwann stand ich wieder an der New Street. (Wer behauptet alle Wege führen nach Rom, der war noch nie in Birmingham) Nahezu ein Wunder, habe ich doch einen Orientierungssinn, wie ein erblindeter Hamster in seinem Laufrad. Von der New Street sind es zwei Stationen mit dem Zug zum Campus. Im Zug bin ich erst mal schön eingeschlafen. Jaja, da macht sich die letzte Nacht bemerkbar. Ich bin halt auch keine 20 mehr. Aber bei allen erbitterten Versuchen meines Gehirns in den Stand-By-Modus zu gehen habe ich es dennoch geschafft an der "University" auszusteigen.

Ein gemütlicher Spaziergang über den Campus schloss sich an und ich kam auf die glorreiche Idee, ich könnte ja gleich meine Student-ID-Card mitnehmen und mich um mein Institut mal umsehen. Gesagt, getan! Hier ein paar Fotos.

Der Uni-Uhrenturm auf dem Chancelor's Court

Nun endlich offizielle Musik-Studentin der UoB fuhr ich mit dem Bus zurück Richtung City Centre. Dann folgte der Beweis, dass ich eben doch nicht alleine in einer fremden Stadt ohne Handy und Google Maps herumlaufen darf. Wie gut, dass es Menschen gibt, die einem ihren alten Stadtplan mit geben. Ich mag zwar keinen Orientierungssinn haben, aber kartenlesen kann ich.

Endlich Zuhause angekommen wollte ich nur noch eins: schlafen! Aber das muss leider noch warten sonst bin ich morgen früh um 5 wach und danach den ganzen Tag ein Knautschi, weil ich natürlich nicht um "500" aufstehen will und stattdessen weiterschlafe bis mich der Wecker gewaltsam aus dem Reich der Träume reißt. Wo wir gerade beim Thema sind: "Was man in der ersten Nacht in einer neuen Wohnung träumt..." zzzZZZzzz

Kofferpacken Take 6

Sonntag, 21.09.2014

Diesmal ist es das letzte Mal! Das nehme ich mir ganz fest vor. Alles, was nicht in die mittlerweile zwei Koffer passt bleibt halt da. Der Post-Koffer muss weg. Die Klamotten habe ich mehrfach vom großen in den mittleren und wieder zurück in den großen gesetzt, um dann statt des mittleren Koffers den großen zum fliegen zu nehmen und einen noch größeren für die Post.

Als ich zur Poststelle meines Vertrauens komme ist die Konfussion noch größer als mein Koffer, denn Selbiger gilt jetzt auf einmal als Sperrgepäck und soll min. 20 € mehr kosten. Also nehme ich meinen Koffer und fahre ins Pckzentrum nach Karlsruhe, um dort zu erfragen, was es denn nun mit dem Sperrgepäck auf sich habe. "Nix", bestätigt mir der diensthabende Beamte und nimmt meinen Koffer freudig entgegen. Also: Koffer sind KEIN Sperrgepäck! Ich bin mal gespannt, wann er ankommt.

Wie immer nehme ich die allerletzen Packmaßnahmen direkt in letzter Sekunde vor und so wandern meine beiden Landkarten und meine Chormappen und Noten noch vom Handgepäck in den Koffer. (Dass dieser dann 24 kg, statt der erlaubten 23 kg hatte interessierte am Frankfurter Flughafen schlussendlich auh keinen.) Auch mein Handgepäck war viel zu schwer und es interessierte niemanden. Eben jenes habe ich in allerletzer Sekunde am Flughafen noch ein allerletztes Mal umgepackt. Wie gut, dass ich ein entschlussfreudiger Mensch bin und gern mal eben alle 2 Stunden einen neuen Entschluss fasse. Ein Glück nur, dass der Flug terminiert ist und der ganzen Gepäckhinundherschieberei ein Ende bereitet.

Ich packe meinen Koffer... Take 1 (Probepacken)

Mittwoch, 03.09.2014

Hallo ihr Lieben!

Wenn man verreist, sollte man das nicht ohne Gepäck machen. Ich jedoch habe beim Anblick meiner Packliste Schweisperlen auf der Stirn.

Punkt 1: ich hab sicher was vergessen.
Punkt 2: auch egal, ich werde diesen Berg an Kram ohnehin NIE IM LEBEN in meinem Koffer unterbringen!

Da ich per Flugzeug und Uni-Bustransfer anreisen werde habe ich eine Gepäckgewichtsgrenze von 23 kg und muss mich auf das übliche eine Gepäckstück mit Handgepäck und Laptoptsche beschränlken. Doof nur, dass mein Koffer leer schon 4 kg wiegt. Da bringt mir auch die Geräumigkeit des Selbigen nichts. Ich muss kürzen. Gut nur, dass meine Mutter und meine Oma mich in ein paar Wochen besuchen kommen. Beide werden wohl mit eher ausladendem Gepäck für ein Wochenende nach England fliegen. (Welcher Mensch braucht bitte 23 kg Gepäck für ein Wochenende? Aber das ist dann ja nicht mein Problem...) Ich glaube, ich werde auch diesen Koffer bereits mal vorpacken, bevor ich abreise. Sonst vergesse ich auch da die Hälfte. Nein, vergesslich und schusselich bin ich nicht. Nein, NIE! Ich doch nicht. Das kann ja was werden. Naja, also alles erst mal auf einen großen Berg auf dem Bett setzen. Dann in drei Stapel sortieren. Da ich nicht mit unnötigem Gepäck reise, heißen diese: "Notwendig", "Absolut notwendig" und "Himmel, wenn ich ohne das verreise muss ich sterben, die Welt dreht sich rückwärts und das Universum löst sich in einem spontanen Urknall auf". Irgendwie bekomme ich es dann hin alles zu sortieren und alle wirklich wichtigen Sachen, wie z. B. eine Winterjacke, auf den "Notwendig"-Stapel zu packen, den ich eigentlich wieder wegräumen bzw. in den Koffer meiner Mutter packen wollte. Verdammt! Ich glaube, ich sollte meine Prioritäten noch einmal überdenkten.

Wie gut, dass das Ganze nur ein erstes Probepacken war. Entweder ich kaufe mir ein größeres und leichteres Gepäckstück bis in zwei Wochen, oder ich passe meine Klamottenauswahl meiner Koffergröße an. Mal sehen. Ihr werdet es dann auf jeden Fall erfahren.

Liebe Grüße und bis bald!

Hanna